Das Museum Gouda präsentiert ab September die erste museale Einzelausstellung von Mina Abouzahra. In ihren Entwürfen lässt sie die farbenfrohen Welten marokkanischer Handwerkskunst und niederländischen Designs miteinander verschmelzen. Im Museum Gouda gestaltet sie einen Raum mit Möbeln und Teppichen, die persönliche und kulturelle Geschichten in sich tragen. Speziell für diese Ausstellung schafft sie zudem eine Reihe neuer Werke, darunter einen Schrank mit symbolreichen Textilpaneelen.

26. September 2026 – 27. März 2027

Mina Abouzahra wurde in den Niederlanden als Tochter marokkanischer Eltern geboren und wuchs zwischen zwei Kulturen auf. Als sie während ihres Studiums am Hout- en Meubileringscollege einige Zeit in Marokko verbrachte, lernte sie die Traditionen des Landes ihrer Eltern kennen und die Handwerkskunst, die sie bis heute inspiriert. Ihre Arbeiten sind mittlerweile in verschiedenen Museumssammlungen vertreten, und 2022 gewann sie einen Dutch Creativity Award sowie einen European Design Award. „Mit meiner Arbeit halte ich mein kulturelles Erbe am Leben und gestalte meine marokkanische Identität“, so Mina Abouzahra.

Teppiche als Träger von Geschichten
Ein marokkanischer Teppich ist niemals einfach nur ein Teppich. Die Amazigh, ein indigenes Volk Nordafrikas, weben Textilien voller Symbole, die auf Weiblichkeit, Fruchtbarkeit, Ehe, Schutz und den Tod verweisen. Für Amazigh-Frauen ist ein Teppich daher ein persönliches Dokument, in dem Geschichten über verschiedene Lebensphasen verwoben sind. Durch Farben, Muster und Symbole geben die Frauen Erfahrungen und Wissen von Generation zu Generation weiter. Der Webstuhl ist dabei nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern auch ein sozialer Treffpunkt, an dem sich die Weberinnen gegenseitig unterstützen, Geschichten austauschen und Traditionen am Leben erhalten. Seit 2013 leitet Abouzahra ein Designstudio in Amsterdam sowie im südmarokkanischen Ort Taznakht. Dort arbeitet sie mit einer Weberinnen-Kooperative zusammen, die handgeknüpfte Teppiche und Textilien nach jahrhundertealten Amazigh-Traditionen herstellt. Darüber hinaus setzt sie sich für faire Arbeitsbedingungen und eine gerechte Bezahlung der Weberinnen ein.

Neues Werk
“ In jedem Faden ist eine Sprache eingewoben, die vom Leben, von Identität und den unsichtbaren Verbindungen zwischen den Generationen erzählt. Diese Vielschichtigkeit steht auch im Mittelpunkt der kleinen Ausstellung in Gouda, in der Abouzahra rohe Materialien, lebendige Farben und traditionelle Techniken mit zeitgenössischem Design verschmelzen lässt. In der Ausstellung sind verschiedene neue Werke zu sehen. Ihr neuestes Werk „Blessings“ ist ein Schrank, in den zahlreiche Symbole eingearbeitet sind. Traditionell steht der Schrank im Leben einer marokkanischen Braut für den Übergang in die Selbstständigkeit. Wenn sie ihr Elternhaus verlässt, ist dies das einzige persönliche Möbelstück, das sie mit in ihr neues Zuhause nimmt. Für diesen Schrank arbeitete Mina Abouzahra mit zwei niederländischen Kunsthandwerkern zusammen: Tsugi Woodworks fertigte das Holzgerüst mit japanischen Verbindungen an, ganz ohne Leim und Nägel. Das Borduurburo verzierte die Textilpaneele mit verschiedenen Sticktechniken.

Möbel mit mehreren Ebenen
Auch ihren Möbeln verleiht Abouzahra stets mehrere Ebenen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. So ist das Sofa „Sofa Goity“, das aus gestapelten Matratzen besteht, eine Hommage an familiäre Bindungen und die Art und Weise, wie Generationen in Marokko oft zusammenleben. Der Sessel „Abouzahra X Rietveld“ basiert auf einem zeitlosen Entwurf von Wim Rietveld – dem Sohn des weltberühmten Möbeldesigners und Architekten Gerrit Rietveld. Er ist mittlerweile ein Klassiker im Œuvre von Mina Abouzahra und der Sessel ist in die Rietveld-Sammlung des Centraal Museum in Utrecht aufgenommen worden. Hier kombiniert sie die niederländische Nüchternheit der Nachkriegszeit mit reich verzierten, handgewebten marokkanischen Textilien. „Ich erkenne mich in beiden Welten wieder“, erklärt sie.

Ein gewebter Brief
Einer der Blickfänge im Museum Gouda ist der monumentale Wandteppich „Brief“, der auf eine besondere Tradition aus Taznakht verweist und von dem sich der Titel dieser Ausstellung ableitet. Wenn eine junge Frau aus der Amazigh-Gemeinschaft heiratet und ihr Elternhaus verlässt, hat sie im ersten Jahr keinen direkten Kontakt zu ihrer Familie. In dieser Zeit webt sie einen Wandteppich, in dem sie mit Farben und Symbolen erzählt, wie es ihr geht. Ihr Vater besucht sie einmal und bringt diesen Wandteppich anschließend zu ihrer Mutter, die den gewebten „Brief“ anhand der Bildsprache des Gewebes liest.
 
Verbindung zu „Wonder Walls“
Parallel zu dieser Einzelausstellung ist im Museum Gouda die große Herbstausstellung „Wonder Walls“ zu sehen, die sich mit der reichen Geschichte der Webereiindustrie in Gouda befasst. Dafür entwirft Mina Abouzahra gemeinsam mit Goudener Gemeinschaften zeitgenössische Kissen, die in Taznakht gewebt werden und als moderne Interpretationen historischer Zunftkissen dienen. Damit stellt sie eine überraschende Verbindung zwischen der niederländischen Textilgeschichte und der lebendigen marokkanischen Webtradition her. Fast jeder zehnte Einwohner von Gouda hat Wurzeln im nördlichen Rif-Gebirge und in der Amazigh-Kultur; es ist daher kein Zufall, dass gerade das Museum Gouda das Werk von Mina Abouzahra präsentiert.

Wonder Walls
Parallel zu dieser Einzelausstellung ist im Museum Gouda die große Herbstausstellung „Wonder Walls“ zu sehen, die sich mit der reichen Geschichte der Webereiindustrie in Gouda befasst. Dafür entwirft Mina Abouzahra gemeinsam mit Goudener Gemeinschaften zeitgenössische Kissen, die in Taznakht gewebt werden und als moderne Interpretationen historischer Zunftkissen dienen. Damit stellt sie eine überraschende Verbindung zwischen der niederländischen Textilgeschichte und der lebendigen marokkanischen Webtradition her. Gouda ist die marokkanischste Stadt der Niederlande; fast jeder zehnte Einwohner von Gouda hat Wurzeln im nördlichen Rif-Gebirge und in der Amazigh-Kultur.
 

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Veröffentlicht am 28. Juli 2026