Auf einen Hinweis eines amerikanischen Kunsthändlers hin hat das Museum Gouda bei einer Kunstauktion in Paris ein außergewöhnliches Gemälde aus dem 16. Jahrhundert erworben. Das Werk auf Holz zeigt verschiedene farbenfrohe Figuren, die gerade dabei sind, zu messen und zu wiegen. Die Darstellung aus dem Jahr 1582 stimmt genau mit einer Zeichnung des Goudaer Glasmalers Wouter Pietersz Crabeth überein. Vermutlich stammt das Gemälde daher aus dem Atelier oder dem unmittelbaren Umfeld von Crabeth. Dies macht die Tafel zu einem bedeutenden Fund. Es wurde kürzlich restauriert und heute anlässlich des 150-jährigen Bestehens vom Verein der Freunde des Museums Gouda dem Museum geschenkt.  

Im Frühjahr 2024 wurde das Museum Gouda von einem amerikanischen Kunsthändler auf die Versteigerung eines unbekannten Tafelbildes im Auktionshaus Daguerre in Paris aufmerksam gemacht. Die Ähnlichkeit mit einer Zeichnung in der Sammlung der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris weckte das Interesse des Museums. Diese Zeichnung wurde von der Crabeth-Expertin Szuszanna van Ruyven dem Goudener Glasmaler Wouter Pietersz (I) Crabeth (1510–1589) zugeschrieben. Dies machte eine Herkunft des Paneels aus Gouda, das als flämisch galt, wahrscheinlich.

Jubiläumsgeschenk


Das Museum Gouda feiert in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen, und der Verein der Freunde des Museums hielt diesen besonderen Fund für ein passendes Geburtstagsgeschenk. Es gelang, das Paneel bei einer Auktion für nur 3.500 € zu erwerben, woraufhin der Verein es restaurieren ließ. Das Bildnis ist auf miteinander verleimten Holzbrettern gemalt. Im Laufe der Jahrhunderte waren Fugen und Risse entstanden. Im Rahmen einer umfassenden Restaurierung wurde das Paneel instand gesetzt, das Bildnis restauriert und das Werk erhielt einen neuen, passenderen Rahmen. Es gibt ein Maß für alle Dinge
Das Gemälde entstand 1582 und zeigt eine besondere Darstellung mit zwei Texten. Der erste ist ein Zitat des römischen Dichters Horaz, das mit „Est modus in rebus“ beginnt – es gibt ein Maß für alle Dinge. Der zweite Text ist in (Alt-)Niederländisch verfasst und handelt von der Einteilung des Tages. Das Gemälde enthält eine Fülle von Details und gibt Einblick darin, wie Mathematik und Geometrie im 16. Jahrhundert im täglichen Leben angewendet wurden, beispielsweise bei Landvermessungen, in der Architektur, bei Waagen und in der Astronomie. Das Werk ist eine Kombination aus Wissenschaft und Kunst und zeichnet ein einzigartiges Zeitbild vom praktischen Wert mathematischen Wissens in der Renaissance. 

Ein kunsthistorisches Rätsel


Die Darstellung entspricht der Zeichnung von Wouter Pietersz (I) Crabeth. Von ihm sind keine Gemälde bekannt. Die Darstellung erscheint zu detailreich für ein Buntglasfenster, jene Werke, die dem Künstler aus Gouda zu Ruhm und Ansehen verhalfen. Die Figuren und die Art und Weise, wie die Kleidung auf dem Paneel dargestellt ist, weisen zudem stilistische Ähnlichkeiten mit dem unteren Teil eines monumentalen Josef-Altars aus Gouda auf, über dessen Schöpfer wenig bekannt ist. Aus dem 16. Jahrhundert ist nur wenig erhalten geblieben, und über die Goudaer Maler dieser Zeit ist nicht viel bekannt. Ein interessantes kunsthistorisches Rätsel also für Kurator Ingmar Reesing, der weitere Untersuchungen durchführen wird. 

Museum Gouda

Öffnungszeiten des Museums Gouda: Dienstag bis Sonntag 11:00 – 17:00 Uhr

Siehe auch: museumgouda.nl

Informationen

Veröffentlicht am 20. Dezember 2024