Diese Geheimkirche, die Johannes dem Täufer geweiht war, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu der heutigen altkatholischen Kirche.

Solange der Komplex als Geheimkirche diente, musste er zwangsläufig hinter einer Reihe von Wohnhäusern verborgen bleiben. Von dem ersten Kirchensaal, der dort eingerichtet wurde, sind noch Spuren im Dach des heutigen Pfarrhauses zu finden. Darauf folgte der Kauf von zwei Häuschen auf der Rückseite (de Raam) und 1632 von zwei weiteren an der Stelle der Hoge Gouwe 111. Im Garten hinter diesen Häuschen wurde noch im selben Jahr ein neuer Kirchenraum errichtet.

Das Kirchengebäude wurde 1352 von einem wohlhabenden Kaufmann aus Gouda erbaut. Es wurde 1630 von Suitbertus Purmerent erworben und für Gottesdienste hergerichtet, die sein Bruder, Pfarrer Petrus Purmerent, leitete. Zu dieser Zeit durften Katholiken nämlich von der Regierung keine Kirchengebäude besitzen. Daher spricht man auch von „Hauskirchen“ oder „Heimkirchen“. Das Gebäude an der Hoge Gouwe 107 ist noch die einzige katholische Geheimkirche in Gouda aus jener Zeit, die für den Gottesdienst erhalten geblieben ist. Grund dafür ist die Besonderheit, dass die Katholiken, die hier Gottesdienst feiern, im Schisma von 1723 die Seite der römisch-katholischen Kirche „der alten bischöflichen Klerus“ gewählt haben. Dies ist der Teil der römisch-katholischen Kirche, der trotz des Papstes und der Kongregation für die Glaubenslehre an den alten Rechten der Ortskirche (das Volk zusammen mit seinem Bischof) und an der rechtmäßigen Autorität des eigenen Bischofs festhielt, die der Autorität des Bischofs von Rom nicht untergeordnet ist. Dank dieser selbstbewussten Haltung und Eigenverantwortung der Katholiken ist die Altkatholische Kirche entstanden: mit der besonderen Kombination aus – nach römisch-katholischer Tradition – gültigen Ämtern und Sakramenten sowie einer solidarischen Haltung gegenüber Kultur und Wissenschaft. In Übereinstimmung mit der katholischen Lehre und der Tradition der Kirche hat sie als Kirche von ihrem Recht Gebrauch gemacht, in Angelegenheiten, die nicht das Wesen des Amtes oder der Sakramente berühren, eigene Richtlinien zu verfolgen. Eine Folge dieser Politik ist, dass Pfarrer heiraten dürfen, Frauen Diakonin, Priesterin oder Bischöfin werden können und Homosexuelle ebenso wie jeder andere Getaufte zur Kommunion eingeladen sind.

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